Antrag / Anfrage / Rede
Bestmögliche Entwicklungschancen für alle Kinder - Nutzbare Freiflächen in Gleißhammer-St. Peter erhalten!
Die Vorgänge in St. Peter-Gleißhammer rund um die geplante Bebauung des Schulhofs der Scharrerschule beunruhigen die Bewohnerschaft sehr. Seit längerem bestehen verschiedene Bedarfe, und es herrscht aktuell einige Verwirrung, da die Akteure über unterschiedliche Informationen und Sachstands-Kenntnisse verfügen.
Seit längerem findet im Stadtteil eine enorme Nachverdichtung statt (Luitpoldviertel, Neubleiche, Regensburger Straße sowie viele größere Baulückenschüsse). Dies führt zu steigender Bevölkerungsdichte. Immer mehr Menschen müssen sich öffentliche Freiflächen teilen, was insbesondere für Heranwachsende in dem ohnehin durch sozialstrukturelle Herausforderungen gekennzeichneten Stadtteil eine belastende Situation ist. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Einwohnerzahl der Bedarf an frühkindlicher und vorschulischer Bildung und Betreuung sowie an Ganztagsversorgung der Schulkinder. Wir halten aus diesen Gründen eine ganzheitliche Betrachtung der Situation von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil für erforderlich – nicht zuletzt auch, um angesichts der Flächenknappheit Synergien nutzen zu können und bestmögliche Lösungen zu finden.
Bereits auf Basis der Einwohnerzahlen von 2022 (33.095 EW auf 271,81 ha) bestand eine starke Unterversorgung mit öffentlichen Grünanlagen und Parks im Planungsbereich 6, dem Stadtbezirk Glockenhof-Gleißhammer, wie aus dem Bericht des Umweltamtes am 18. April 2024 im Stadtplanungs- und Umweltausschuss hervorgeht (die quantitative Versorgung mit Grün- und Parkanlagen weist mehr als 38 ha Defizit auf – siehe Karte UWA von Juli 2023).
Der Schul-Spielhof der Scharrerschule ist daher ein wichtiger Baustein in der Freiflächenversorgung der Kinder und Jugendlichen. Die Schülerinnen und Schüler benötigen dringend den Pausenhof in seiner bisherigen Dimension, um sich in den Pausen ausreichend austoben, Stress abbauen und anschließend wieder konzentriert lernen zu können. Umso schwerer wiegt es, dass dieser nun durch einen Hortbau noch um einen erheblichen Anteil verkleinert werden soll.
Auch ist angesichts der starken Aufheizung der Schule im Sommerhalbjahr jeder einzelne der Schulhof-Bäume zur Verbesserung des Mikroklimas im Schulbereich wichtig. Schon heute ist der Schulbetrieb bei sommerlichen Temperaturen durch die herrschende Hitze enorm erschwert, und Besserung ist aufgrund von Denkmalschutz und Klimaveränderung nicht in Sicht. Ein weiteres Bauwerk, das nicht nur Bäume kostet, sondern auch noch die Durchlüftung weiter einschränkt, sehen wir auch aus diesem Grunde sehr kritisch.
Die Scharrer-Grundschule wurde aufgrund eines nach wissenschaftlichen Standards entwickelten Sozialindexes als eine von 100 Startchancen-Schulen in Bayern ausgewählt. „Mit den drei Säulen des Programms können die Infrastruktur und die Lernumgebung an den Schulen modernisiert werden“, heißt es auf der Projekt-Webseite. Da wäre es für die Kinder ein Bärendienst, zugleich die Lernumgebung durch bauliche Nachverdichtung direkt im ohnehin sehr beengten Schulhof wieder zu verschlechtern. Wir sehen es daher als vordringliche Aufgabe an, jede Möglichkeit eines alternativen Standorts zu prüfen.
Ferner sollte im Zuge von Neubaumaßnahmen möglichst eine Vor-Ort-Verpflegung etabliert werden, die bessere nutzerorientierte Verköstigung ermöglicht und praktische Gesundheits- und Ernährungs-Bildung der Heranwachsenden beispielweise durch Einbindung in die Essen-Planung und Herstellung bietet.
Auf Grundlage des beschlossenen, seit 2003 wirksamen Flächennutzungsplanes sollte dann die Grünfläche nördlich der Velburger Straße bis zur Scharrerstraße fortgeführt werden, die extra im FNP zur Verbesserung der Grünflächenversorgung im Stadtteil vorgesehen wurde. Dadurch könnten im Anschluss an den aktuell in Umbau befindlichen I.-Yasar-Platz als Ausgleich gut erreichbare Flächen für Spiel und Bewegung entstehen.
Wir stellen daher folgenden Antrag:
- Die Verwaltung berichtet, wie viele Kinder im Stadtteil derzeit Bildung und Betreuung über den Vormittag hinaus erfahren, in welcher Form (Ganztagsklasse, Hort, Mittagsbetreuung ...) und durch welchen Träger.
- Die Verwaltung stellt die Entwicklung (Prognose) der Schülerzahlen ab dem Schuljahr 2025/26 für die kommenden 15 Jahre dar, unter Berücksichtigung der bereits genehmigten bzw. neu errichteten sowie der weiteren geplanten zusätzlichen Wohnungen im Stadtteil sowie eventueller Schulsprengel-Änderungen, und zeigt auf, wo diese beschult werden sollen.
- Die Verwaltung legt dar, wie sich der Bedarf an Betreuungsplätzen für Schulkinder im Stadtteil aufgrund dieser Prognosen entwickeln wird und inwieweit der aktuell in Planung befindliche Hort auf dem Schulgelände diesen decken kann.
- Im Fall erkennbarer Versorgungslücken prüft die Verwaltung, wie eine vorausschauende Planung eine bedarfsgerechte Entwicklung im Stadtteil ermöglichen kann, und inwieweit Anmietungen, Flächenerwerb oder Instrumente der Bauleitplanung zur Sicherung entsprechend benötigter Flächen dienen können. Dabei soll auch eine interimsweise Container-Lösung im Bereich der Peterstraße (ungenutzte Bauflächen/“Diehl-Wiese“) mit geprüft werden, um benötigte Plätze rechtzeitig bereitstellen zu können.
- Die Verwaltung stellt unter Berücksichtigung der steigenden Einwohnerzahlen die Bedarfe und die Versorgungssituation für die vorschulische Bildung und Betreuung im Stadtteil dar.
- Die Verwaltung prüft ein inklusives Hort-Konzept, das Schülerinnen und Schülern ein gutes Angebot an Freiräumen sowie die Pflege von Beziehungen und Freundschaften direkt im Stadtteil ermöglicht.
Mit freundlichen Grüßen,
Inga Hager, Stadträtin der ÖDP
Jan Gehrke, Stadtrat der ÖDP